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Nach 30 Jahren zurück zu Mutpol

Milan Skoric war bis 1989 bei der diakonischen Jugendhilfe – bis heute denkt er daran zurück


Renée Drossard, Milan Skoric, seine Lebensgefährtin Monika Anic und Ernestine Fröhlich (hinten von links), zusammen mit Mutpol-Leiter Dieter Meyer (Mitte) und den zwei Mutpolschülern Felix und Luca.


Lisa Klebaum

TUTTLINGEN – Mit 14 Jahren ist er selbst Schüler bei der Diakonischen Jugendhilfe Mutpol gewesen. Eine Zeit, die Milan Skoric geprägt hat im Positiven. Rund 30 Jahre später, möchte er deshalb etwas zurückgeben. "Ich habe mich dazu entschlossen, das Nikolausfest für die Kinder und Jugendlichen zu sponsern", sagt er.

Fünf Jahre lang – bis 1989 – war die Diakonische Jugendhilfe das Zuhause von Milan Skoric. Mit 14 Jahren hatte er beschlossen, zu Mutpol zu gehen. "Damals war eine Freundin schon dort. Sie bemerkte, dass ich familiäre Probleme habe und schlug mir vor, mal bei Mutpol vorbei zu schauen", erinnert sich Skoric. Das tat er – und blieb. "Ich habe quasi meine ganze Jugend dort verbracht, das hat mich geprägt", sagt er.

So erinnert er sich bis heute an viele Momente zurück: "Jeden Sonntag haben wir ein Fußballspiel veranstaltet. Alle waren eingeladen: Das Kinderdorf, die Erzieher und auch Menschen aus der Stadt – es sind immer viele gekommen". Die Sonntags-Spiele seien dann auch für lange Zeit Tradition gewesen. Bei Mutpol kam Skoric dann auch irgendwann zum Boxsport. "Ich wurde dabei immer gut unterstützt", sagt er, "ich trainierte viel und wurde dann sogar Süddeutscher Meister".

Skoric will für die Kinder und Jugendlichen ein Vorbild sein. "Viele sind nicht freiwillig hier und zweifeln an sich. Oft haben sie keine Idee für ihre Zukunft", sagt Ernestine Fröhlich. Sie ist Bereichsleiterin und zuständig für die teilstationäre Hilfe bei Mutpol. Heute seien die Probleme der Schüler teilweise komplexer als noch vor 30 Jahren, weiß auch Renée Drossard, Bereichsleiterin für Intensivpädagogische Maßnahmen. "Das Thema Drogen war für uns früher nicht so das große Ding. Heute haben mehr Jugendliche damit Kontakt, denke ich", sagt Skoric. Er selbst hat nach seiner Zeit bei Mutpol eine Ausbildung bei einem Autohaus in Tuttlingen begonnen. Aktuell arbeitet er bei einem Stahlhändler in Rottweil in der Fertigung.

Vor zwei Jahren hat er Ernestine Fröhlich zufällig auf einem Geburtstag getroffen. "Wir kamen ins Gespräch und ich erzählte, von meiner Zeit im Kinderdorf – wie es früher hieß", erinnert sich Skoric. Ein Nikolausfest hätte es zwar sowieso gegeben, aber vermutlich nicht in diesem Umfang. "Es freut uns, dass wir so gut in Erinnerung geblieben sind", sagt Dieter Meyer, Leiter der Jugendhilfe.

Heute wohnt Skoric nicht mehr in Tuttlingen, sondern in Rottweil. "Wenn wir in Tuttlingen sind, lasse ich es mir aber nicht nehmen, hin und wieder vorbeizuschauen", sagt er und fügt hinzu: "Schließlich waren die Leute damals wie eine Familie für mich".


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